Der 8. Frankfurter Lufthansa Halbmarathon am 14. März 2010 war für mich ein typisches Beispiel für eine gute Form vor dem Lauf und die Ernüchterung im Ziel. Meine kompletten Ersparnisse hätte ich darauf gesetzt, dass ich die Sub1:30 unterbieten werde. Gut, dass ich es nicht getan habe. Im Ziel stand letztlich eine 01:32:10 zu Buche, mit der ich zwar nicht unzufrieden bin, dir mir aber zeigt, dass noch viel Luft nach oben ist.
Zunächst lief alles problemlos ab: Der Parkplatz am Gleisdreieck war gerade mal zu zwei Dritteln ausgelastet, das Gelände an der Commerzbank-Arena kann ich blind ablaufen, und die Startnummern-Ausgabe ging auch recht reibungslos vonstatten. Einzig die zwei Poller, die ich beim Einlaufen entdeckte, verwirrten mich. Sie standen meiner Meinung nach direkt auf der Strecke, die uns Läufer unter den Bahngleisen entlang führen sollte. Nicht sehr überraschend war dann die Durchsage, dass es "technische Probleme" gibt, während die Läufer in der Startaufstellung bereits mit den Hufen scharrten. Irgendjemand der Organisatoren muss nun also auch die beiden Poller entdeckt haben. Man entschied sich statt der Demontage der Poller für eine Markierung der potentiellen Kastrations-Objekte in Form zweier Helfer, die mit gelben Westen bekleidet die Hindernisse zwischen ihre Beine klemmten. Als sich dann alle Starterinnen und Starter durch die Unterführung geschlängelt hatten, war bis zum Ziel genügend Platz für alle da. Ich hatte mich diesmal im Gegensatz zu meinen bisherigen Wettkämpfen sehr weit vorne eingereiht, ca. in der fünften Reihe fühlte ich ich ganz wohl. Und in der Tat war es nach dem Start sehr angenehm zu laufen, da alle Läufer in meiner näheren Umgebung ein ähnliches Tempo wie ich anschlugen.
Der erste Kilometer verging viel zu schnell, denn ich lief an mit einer Zeit von 4:02 min/km. Ich hörte in mich rein und empfand das Tempo aber als machbar, war aber maximal irritiert, denn meine Forerunner zeigte mir den kompletten zweiten Kilometer über eine Pace von 4:02 min/km an. So konstant war ich zuvor noch nie gelaufen. Als das nächste Kilometerschild kam, verstand ich auch, warum ich den letzten Kilometer über ein laut Forerunner so gleichbleibendes Tempo gelaufen bin. Einmal mehr hatte ich die falsche Taste gedrückt und die Zeit direkt nach dem ersten Kilometer gestoppt, anstatt eine Runde abzustoppen. "Was soll's", dachte ich mir, resettete kurz und startete die Zeit erneut. Noch lag ich ja sehr gut im Zeitplan. Aber schon kam das nächste Problem auf mich zu: Mir drückte die Blase. Mehrere hundert Meter lang überlegte ich, ob ich bis ins Ziel durchlaufen soll, oder ob es sinnvoller wäre, sich kurz in die Büsche zu schlagen. Kurz vor den ersten Bürogebäuden von Niederrad siegte der Verstand und ich begab mich für ca. 30 Sekunden an den Straßenrand, um eine Pinkelpause einzulegen.
Die nächsten Kilometer absolviert ich weiterhin mit einem konstanten Schnitt von etwas unter 4:15 min/km. Das würde reichen, um unter 90 Minuten zu bleiben. Dann näherte sich das Feld der ersten Verpflegungsstelle, und ab diesem Zeitpunkt lief es nicht mehr rund. Eigentlich bin ich ja davon ausgegangen, dass es im vorderen Viertel des Feldes etwas einfacher ist, sich in einem hohen Tempo den ein oder anderen Becher zu schnappen. Pustekuchen! Zunächst wähnte ich mich in einer günstigen Position, um ohne großen Geschwindigkeitsverlust nach einem Becher zu greifen. Aber ein anderer Läufer machte mir mit einem gekonnten Bremsmanöver einen Strich durch die Rechnung. Ergo musste ich ihn außen herum passieren und ein paar Meter weiter einen neuen Versuch starten. Hier kam es fast zu einer Kollision mit einem anderen Läufer, der vermutlich ein ähnliches Problem wie ich zuvor hatte. Der Inhalt des Bechers, den ich dann endlich in der Hand hatte, war aber zu meiner Enttäuschung kein Wasser, sondern Tee. Davon nahm ich dann nur zwei kleine Schlucke und beschleunigte wieder.
Ob mich nun die eher ungünstige Situation an der Verpflegungsstelle aus dem Rhytmus gebracht hat oder ob ich auch so irgendwann langsamer geworden wäre, weiß ich nicht. Fakt ist, dass meine Kilomterzeiten massiv einbrachen. Nur mit Mühe und Not kam ich an einen 4:25er-Schnitt heran. Nach dem Wendepunkt auf der Isenburger Schneise hatte ich mich einigermaßen erholt. Die Verpflegungsstelle kurz zuvor ließ ich aus, denn ich fühlte mich wieder etwas besser, aber die Zeiten wurden nur unwesentlich schneller. Die Brücke über die B43 gab mir dann aber den Rest. Die Commerzbank-Arena war zwar zu sehen, der Anblick konnte mir trotzdem nicht helfen, die Zwischenzeiten nach unten zu drücken. Komplett verwirrt war ich, als ich Gregor aus dem Runnersworld-Forum bereits vor dem Stadion sah. "Was ist der denn wieder für 'ne Zeit gelaufen?", schoss es mir durch den Kopf. Es wurde bei ihm eine wahnsinnige 01:22:26, aber das nur am Rande.
Dem Tor zum Innenraum zur Commerzbank-Arena näher kommend überlegte ich, was denn oben auf der Zieluhr stehen könnte, sobald ich sie auf der Zielgeraden erblicken werde. Schließlich hatte ich wegen meines Tasten-Problems nach dem ersten Kilometer keine brauchbare Gesamtzeit auf meiner Forerunner, die ich hätte ablesen können. Was ich noch wusste, war die abgelaufene Zeit, als der erste Startblock nach der Elite auf die Reise geschickt wurde: Ca. zwei Minuten muss ich abziehen, sobald die Zieluhr in Sichtweite kommt. Und da kam dann der Hammer! "01:34:00" prangten auf der Anzeige! Aus der Traum von der Sub1:30! Trotzdem drückte ich nochmal auf die Tube, überholte auf den letzten 100 Metern nochmal zwei, drei Läufer und war endlich mit einer Zeit von 01:32:10 im Ziel, wie ich dann zu Hause in den Ergebnislisten sehen konnte.
Positive zu erwähnen bleibt, dass meine Pinkelpause keine negativen Auswirkungen auf die Zeit gehabt hat: Auch ohne sie hätte ich mein vor dem Lauf gesetztes Ziel verfehlt. Ärgerlicher wäre es gewesen, wenn ich die Sub1:30 um wenige Sekunden verfehlt hätte wie im letzten Spätsommer in Kelkheim. Damals lief ich einen 01:30:08. Aber erhofft hatte ich mir natürlich eine schnellere Zeit. Die laufe ich vielleicht in Griesheim Ende Mai. Die Strecke bietet sich dafür auf jeden Fall an. Gleiches gilt aber auch für die neue Strecke in Frankfurt. Spiridon Frankfurt hat hier eine gute Wahl getroffen, wenn auch der ein oder andere Streckenteil etwas langatmig ist. Und der Abschnitt am Mainufer ist definitiv attraktiver als das Leitplanken-Festival auf der Rosa-Luxemburg-Straße.