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35. Seligenstädter EVO Wasserlauf

So mild der Winter auch war, eine Erkältung suchte mich auch dieses Jahr heim. So reiste ich mit einer noch nicht vollständig abgeklungenen Erkältung an und hatte drei Optionen:

  • gar nicht starten
  • Ummelden auf die 10km
  • über die 25km an den Start gehen

Man zahlt hier die Anmeldegebühr erst beim Abholen der Startnummer, weshalb ich mich nur kurzfristig hätte umentscheiden können. Tat ich dann doch nicht. Ich fühlte mich verhältnismäßig gut, hinzu kam der Gedanke an die Altersklassen-Wertung des Main-Lauf-Cups. In diesem Zustand viele Punkte über die 10km zu holen hielt ich für unwahrscheinlich. Dafür müsste ich mindestens eine Zeit von unter 40 min hinlegen – unmöglich an diesem Tag. Außerdem war das Training in der letzten Zeit nicht dafür ausgelegt, zumal ich in der Woche vor dem Wettkampf so gut wie gar nicht gelaufen bin. Eine Pace von 4:05 min/km über die 25km wäre ohne Erkältung möglich gewesen. Mit der Erkältung korrigierte ich das ein wenig nach oben. Auch “wenig” ist ein dehnbarer Begriff, wie sich später herausstellte.

Start und erster Wendepunkt

Auf dem ersten Abschnitt bis zum ersten Wendepunkt machte sich die Erkältung erstaunlich wenig bemerkbar.  Meine Pace bewegte sich im Bereich zwischen 4:10 und 4:15 min/km. Auch hier hab ich’s beim Abstoppen der Kilometer-Zeiten wieder verkackt. Erneut wurden aus den Kilometern vier, fünf und sechs eine Runde. Wie blöd muss man eigentlich sein, den gleichen Fehler bei zwei aufeinanderfolgenden Wettkämpfen zweimal zu machen? Sei’s drum. Durch den Wendepunkt kann man mitzählen, auf welcher Position man sich befindet. Und ich war echt verblüfft! “…13…14…15…”, da sah ich auch schon die Pylone, und vor mir waren nur noch drei Läufer. Position 19! Geht doch. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte: Die Quälerei ging jetzt erst richtig los.

Man kann sich zwar an Läufern festbeißen, die man in der Ferne sieht, getreu dem Motto “Da will ich näher rankommen!”, denn der Kurs bietet eine tolle Sicht nach vorne. Man sollte allerdings auch bedenken, dass hinter einem auch noch Läufer sind. So wurde es auf den verbleibenden 17,5 Kilometern ein munteres Wechselspiel.

Das erste Mal im Ziel

Irgendwie ist das fies, wenn man nach fast 15 Kilometern das Ziel auf sich zukommen sieht, um aber gleichzeitig zu wissen, dass man noch 10 Kilometer vor sich hat. So ist das nun Mal in Seligenstadt, Fluch und Segen zugleich. Diesmal war’s für mich mehr Fluch. Die Kilometer 13 bis 15 waren reine Kopfsache, ich war kurz vor dem Aussteigen und platt wie selten bei einem Wettkampf. Die Zwischenzeiten waren mittlerweile übelst in die Höhe gegangen. Einzig der Gedanke an die aktuell gute Position gepaart mit der Hoffnung, dass sich unter den Läufern vor mir nicht so viele M30er befinden, ließen mich weiterlaufen. Und die letzten 10 Kilometer kann man sich durch den zweiten Wendepunkt der Strecke in zwei Etappen à 5 Kilometer einteilen. Das half dann auch, auf dem ersten Stück konnte ich fast eine Pace von 4:20 min/km halten, ich wurde tatsächlich wieder etwas schneller.

Wendepunkt in die Langsamkeit

Das relativierte sich auf den letzten fünf Kilometern. Ich pfiff gelinde gesagt auf dem letzten Loch! So muss sich das auch angehört haben. Der Abstand zu den Läufern hinter mehr war überschaubar, und die Läufer vor mir, die ich noch sehen konnte, aufgrund meines Zustands außer Reichweite. Schön war, dass ich einen Mitstreiter fand, der auf der gleichen Pace unterwegs war, und so wechselten wir uns ab was das Tempo-Machen angeht. Wobei, von Tempo konnte jetzt keine Rede mehr sein, es ging nur noch darum, irgendwie ins Ziel zu keuchen. Auf den letzten beiden Kilometern quetschte ich mit einer 4:27 und einer 4:10 nochmal alles raus, was noch im Tank war und schob mich damit sogar wieder auf die Gesamtposition 19. Am Ende stand eine 1:48:09.96 in der Ergebnisliste, sowie der undankbare 4. Platz in der Altersklassen-Wertung.

 

12. Frankfurter Lufthansa Halbmarathon

Der Halbmarathon in Frankfurt, veranstaltet von Spiridon Frankfurt, ist vermutlich für viele Läufer eine erste Standortbestimmung, um zu sehen, wie man denn durch den Winter gekommen ist. Wenn man denn in diesem Jahr überhaupt von einem Winter sprechen kann. Solange man nicht im Taunus wohnt, konnte man Schnee nur aus der Ferne betrachten, und die für diese Jahreszeit durchweg milden Temperaturen machten diesmal auch dem Tempotraining keinen Strich durch die Rechnung. In der Regel verzichte ich auf schnelle Läufe, sobald sich Straße und Wege wie Schmierseife anfühlen. Bevor ich mir beim Laufen die Gräten breche, lasse ich es lieber sein und lassen das Training ausfallen, oder es wird nur langsam gelaufen

Der Parkplatz Gleisdreieck an der Commerzbank-Arena war noch erstaunlich leer, dafür war der Querbeet-Stand schon komplett aufgebaut, allerdings waren bislang nur wenig Bio-Runner zu sehen. Die Sonne verriet schon, dass es für diese Jahreszeit eine Hitzeschlacht werden könnte. Temperaturen von 20° C waren vorhergesagt. Angepeilt hatte ich einen 4:05er-Schnitt, mit erhoffter Tendenz nach oben, um vielleicht sogar unter die 01:25 h zu kommen.

Start

Im Startblock sortierte ich mich im 1:35er-Block in der ersten Reihe ein. Die Taktik hatte sich schon beim Silvester-Lauf bewährt. Und gerade das erste Stück bis zur Flughafenstraße und der Abschnitt durch den Wald bis zur Bürostadt Niederrad sind recht eng. Da ist es von Vorteil, wenn man frei laufen und seine Rhythmus finden kann. Und der zeitliche Abstand zwischen den Blöcken war groß genug gewählt, sodass sich der erste Block bereits ordentlich auseinandergezogen hatte, bis ich ihn kurz vor Niederrad erreichte.

Der erste Teil lief wie erwartet relativ gut. Dumm war nur, dass ich mich vor dem Start dazu entschlossen hatte, die Kilometer manuell mitzustoppen. Aus den Kilometern vier, fünf und sechs wurde eine Runde – ein klassischer Fall von Verpeiltheit und dem permanenten Übersehen von Kilometer-Schildern. Das Hirn konnte in diesem Stadium noch einigermaßen rechnen: 12:14 min geteilt durch 3 ergab, dass der Schnitt noch passte.

Isenburger Schneise

Auch wenn die Strecke durchaus attraktiver ist als der alte Streckenverlauf, so hat sie in meinen Augen einen negativen Aspekt: Die Isenburger Schneise hinauf gehört nicht zu den Highlights. Man quält sich hinauf in Richtung Wendepunkt in der Hoffnung, dass es endlich vorbei ist. Wohl dem, der sich vorher gemerkt hat, wann der Wendepunkt kommt und wie weit es noch ist. Praktisch ist hier jedoch, dass man durch den Wendepunkt einen guten Blick auf das Läuferfeld hat. Wo befinden sich z.B. die Pacemaker? Wie weit sind sich noch vor oder hinter mir? Und da schaute ich erstmal blöd aus der Wäsche, weil die Läufer, die ich unter dem 1:29er-Ballon ausmachen konnte, irgendwie nicht zu der Pace passten. Wenig später merkte ich dann, dass ich den 1:24er-Ballon für den 1:29er-Ballon gehalten hatte. Das passte dann auch wieder zu meiner Pace, denn ansonsten wäre der 1:29er sehr weit weg gewesen.

Erwartungsgemäß ging die Pace erstmal nach unten. Nichts beunruhigendes, es geht ja in Richtung Commerzbank-Arena erstmal wieder bergab. Da sollte sich das wieder korrigieren lassen.

Ab ins Ziel

Um an meine erhoffte Zeit von 1:25 h heranzukommen, hätte ich auf dem letzten Stück eine Pace von unter 4 min/km laufen müssen. Das klappte leider noch nicht mal auf dem Bergab-Stück, als die Isenburger Schneise hinter mir lag. Mit Gewalt wäre es gegangen, aber dann wäre ich vielleicht auch eher ins Ziel gegangen als gelaufen.  Es bringt ja nichts, wenn ich zwei, drei Kilometer mit 3:50 min/km runterbolze, um mich dann die letzten zwei Kilometer mit 4:20 min/km ins Ziel zu schleppen. So blieb die Pace einigermaßen konstant.

In der Arena angekommen stand nach einem kurzen Schlusssprint eine 1:26:31 auf der Uhr. Dass dies eine neue persönliche Bestzeit war, realisierte ich erstmal nicht. Es überwog eine leichte Unzufriedenheit, hatte ich mir doch wegen des milden Winters und der Änderung meines Trainingsplans ein bisschen mehr erhofft.